02/02/08

Café Kreuzberg | Göttingen | 8. Göttinger Liedermachingfestival

Bericht von Philipp

Normalerweise müssen Lennart und ich immer absprechen, wer welchen Bericht schreibt. Dieses Mal war es klar, denn Lennart musste das 8. Göttinger Liedermaching Festival bereits am Samstagabend gegen halb zehn verlassen. Nicht etwa, weil er aufgrund schlechten Benehmens Hausverbot bekommen hatte. Nein, er hatte einfach mit seinem Arbeitgeber abgesprochen, dass er Freitag und Samstag nicht arbeiten kann. Also teilte ihn sein Arbeitgeber für den Sonntag ein. Schön und gut, aber leider begann seine Schicht um vier Uhr morgens. Absolut hinterhältig diese Kapitalisten.

Also machten wir um 20 der Opener des Abends. Vorher hatte ich es sogar das erste Mal ins Studio des Göttinger Lokalradios geschafft. All die anderen Jahre fesselte mich die Lethargie noch in ein Sofa des Backstageraumes. Dieses Jahr spazierte ich mit Norman Schuh, der mich übrigens motiviert hat, mitzukommen (!), Kalter Kaffee, Mike und dem Doktor, Onkel Hanke, Nick und Gymmick in das Studio von Dr. Dieter Porth, spielten jeder ein Lied, beantworteten ein paar Fragen und machten uns auf den Rückweg ins Café Kreuzberg, wurden aber schon von Verspielt abgelöst, die gerade das Studio betraten.

Im Kreuzberg angekommen konnten wir gleich loslegen zu spielen. Zuschauer waren auch schon wieder da und da wir den Anfang machten, trauten wir uns mal wieder, einige ruhige Stücke zu spielen, denen mit beachtlicher Aufmerksamkeit gelauscht wurde. Es machte richtig Spaß, mein Kater war seit dem Spaziergang zum Radio auf ein Minimum reduziert und ich hatte das Gefühl, erst jetzt richtig angekommen zu sein. Man muss sich auch wirklich erst mal an den ganzen Tumult auf engstem Raum gewöhnen, so schön es auch ist.
Nach uns spielte Martin Sommer, der heute sogar von seiner Harfenistin (heißt das so? Ich glaube ja) begleitet wurde. Schon ein seltener Anblick so eine Harfe unter den ganzen Gitarren. Klang aber wie erwartet sehr schön. Das dachte auch Lennart, der sich anschließend schon auf den Weg machen musste. Schade, sehr schade. Aber da ich Lennart kenne, weiß ich, dass er der Meinung ist, dass man im Leben nichts verpassen kann, sondern nur etwas anderes erlebt. Hört sich sehr philosophisch an und was dran ist sicherlich auch. Andererseits ist ihm schon was entgangen. Es folgte mal wieder ein Feuerwerk. Es ist schon ein Phänomen. Nach sechs Stunden offiziellem Programm, wo man der Meinung sein sollte, dass niemand mehr einen Ton von einer Akustischen Gitarre hören kann, geht es eigentlich erst richtig los. Ein Teil des Publikums ist verschwunden, man hat wieder etwas mehr Platz und die offene Bühne fängt an. So konnte ich zum ersten Mal Häns Dämpf hören, den ich bisher nur vom Namen her aus dem Internet kannte. Sehr schräg, aber unterhaltsam. Gefiel mir gut. Es folgte ein CD - Tausch, was ja im Liedermaching bekanntlich heißt: „Ich möchte Dein Freund sein!“ Auf jeden Fall bedeutet es weit mehr als eine MySpace - Freundschaft. Dann spielte noch ein Mitglied von „Brot und Wurst“, was mir und den anderen auch sehr zusagte. Leider hatte er keine CD dabei. Also beim nächsten Mal dann, gell?

Zusätzlich wurde der Abend mal wieder von Katze Klose bereichert, der schon im offiziellen Teil im Kleid von Janina den Raum betreten hatte. Man kann sagen, er mischte mit. Manchmal musste man sich zwar durchsetzen, wenn man mal alleine und ohne seine Begleitung was spielen wollte, aber aus meiner Sicht hat Katze mal wieder einen großen Teil zur Stimmung beigetragen.

Viele Musiker hatten schon den Tag über Plane geschmiedet, sich zusammenzutun und so kam es mal wieder zu den buntesten Konstellationen. Magische Momente im Café Kreuzberg. Irgendwann gegen sechs (grob geschätzt) spiele und singe ich gemeinsam mit Gymmick, Sven Panne am Klavier, Simon an der Trompete und Nick an der Cajon Lieder von Rio Reiser. Absolutes Glücksgefühl. Ach ja, vorher habe ich mit der Onkel-Hanke-Band noch „Remmi Demmi“ von Deichkind gerockt. Auch ziemlich krass.

Auf unserer Rückfahrt fasst Simon noch mal das Gefühl nach so einem Wochenende zusammen und ich stimme ihm zu, dass man danach nur noch einen Brei im Kopf hat. Das liegt nicht (nur) am Alkohol. Es passiert einfach zu viel, als dass man danach noch alles chronologisch im Kopf haben kann. Was bleibt sind Momente, Szenen, Schnappschüsse. Ich möchte nun mit Simons persönlichem Highlight abschließen:

Er stand auf dem Klo, neben ihm ein Gast, der gar nicht pisste, sondern nur blass und wankend vor dem Pissoir stand. Auf Simons Frage, ob alles klar sei, erwiderte er:
„Mir geht es wunderwundergut!“, drehte sich um und kotzte in die Toilette.