01/07/10

Polyester | Oldenburg

Bericht von Philipp

Ein neues Jahr hat begonnen und somit auch ein neues Jahrzehnt. Und gleich wartet eine richtige Herausforderung auf uns. Unser erster Livemitschnitt wird heute gemacht. Es ist das erste Mal überhaupt, dass wir ein Konzert professionell mitschneiden lassen. Das ist schon sehr aufregend. Um gut vorbereitet zu sein, haben wir eine Woche lang täglich das Programm geprobt. Total diszipliniert also. 19 Stücke sind es insgesamt, die noch auf keiner Spieltrieb-CD verewigt sind.
Mein Bekannter und Ex-Oldenburger Dominik kommt aus Hamburg angereist und bringt sein Equipment mit. Um 16 Uhr beginnen wir im Polyester aufzubauen und alles einzurichten. Zusätzlich zur üblichen Technik bekommt jeder von uns ein Extra-Mikrophon für die Gitarre, damit man bei der Aufnahme einen möglichst natürlichen Gitarrensound bekommt. Außerdem werden einige Mikros an der Decke angebracht, um später die Atmosphäre im Publikum einzufangen.
Als wir endlich fertig sind, bleibt gerade mal genug Zeit, um zu essen und eine zu rauchen. Dann ist es halb neun und Zeit für uns loszulegen. Publikum ist wirklich genug da. Mehr als wir es je im Polyester hatten. Das ist schon mal eine gute Voraussetzung für eine Liveaufnahme. Wir lassen uns eine Kanne Kräutertee auf die Bühne bringen, denn wir sind beide mal wieder etwas angeschlagen.
Da wir wussten, dass wir heute besonders aufgeregt sein würden, haben wir uns zwei Klassiker an den Anfang des Sets gesetzt. „Sonnenbrand“ und „Und“ eröffnen den Abend und machen uns etwas locker. Danach wird es ernst: „Volkslieder“ ist das erste der neuen Stücke und es fühlt sich so an, als wäre das schon mal eine ganz vernünftige Version geworden. Wir zwingen uns aber, beim Spielen nicht darüber nachzudenken, was jetzt gut war und was nicht. Das gelingt auch teilweise. Zwar verspielen und versingen wir uns hier und da mal und das auch bedeutend öfter als bei den Proben, aber das war ja klar, dass das auf der Bühne noch mal anders sein wird. Ab und zu müssen wir kurz unterbrechen und an einer verpatzten Stelle noch mal ansetzen, aber vielleicht kann man so was hinterher ein wenig zusammenschnippeln. Außerdem haben wir bei den kommenden drei Aufnahmeterminen die Möglichkeit, es noch mal besser zu machen. Ein paar Stücke waren aber sicher dabei, die uns heute gut gelungen sind und es auf die CD schaffen werden. Das werden wir uns dann in Ruhe mal alles anhören.
In dem Moment, in dem der offizielle Teil beendet ist, merken wir schon, wie die Anspannung von uns abfällt. Einige „Hits“ kommen als Zugaben und die Stimmung steigt im Publikum. Die Leute merken natürlich, wenn wir lockerer werden und das beeinflusst sich dann gegenseitig. Schade, dass man sich einfach nicht ganz so natürlich verhalten kann, wenn man weiß, dass man aufgenommen wird. Unterbewusst denkt man immer: „Ich muss das jetzt gut machen“ und so weiter. Wenn man weiß, dass man fotografiert wird, fällt es einem ja auch schwer, natürlich drein zu schauen. Aber alles in allem können wir mit dem Abend zufrieden sein, was uns einige Gäste und anwesende Kollegen wie Onkel Hanke und Simon und Jan auch ausdrücklich versichern.
Nun machen wir uns langsam locker und trinken mit unseren Freunden. Im Kicker- und Raucherraum wird dann auch noch die Gitarre herumgereicht.
Irgendwann mache ich mich mit meinem Mitbewohner auf den Heimweg und wir stapfen durch das verschneite Oldenburg. Das ist wirklich mit Abstand der krasseste Winter, an den ich mich erinnern kann. Der Wetterbericht verspricht auch keine Änderung, höchstens eine Verstärkung des Schneefalls. Na hoffentlich kommen wir morgen gut nach Emden und übermorgen nach Verden.