10/22/10
Polyester | Oldenburg
Bericht von Philipp
Heimspiel in Oldenburg. Es ist Freitag und wir müssen uns keine Sorgen machen, dass heute zu wenig Leute ins Polyester kommen. Bislang war hier immer gut was los und es bestand eher das Problem, dass mehr Leute anwesend sind, als im Bereich direkt vor der Bühne Platz ist, sodass sich ein großer Teil von Leuten an den Türen um den Bühnenbereich tummeln mussten. So wird es auch sicher heute wieder sein, da die Werbung sehr gut gelaufen ist. Mehrere Zeitungen haben uns mit Bild angekündigt, in der „Posaune“ gab es ein exklusives Interview mit mir und der Lokalsender O1 hat uns sogar noch zu einem Live-Interview eingeladen. Dort treffen wir uns bereits am Nachmittag, beantworten einige Fragen und geben zwei Songs zum Besten.
Um 18 Uhr treffen wir uns wie abgesprochen beim Polyester und warten traditionsgemäß auf Morten, der das Polyester betreibt. Während Lennart in den gepolsterten Sesseln versinkt, baue ich mit Morten die Bühne auf. Kurze Zeit später kommen Christian und Matthias, unser heutiges Vorprogramm. Mit Christian habe ich schon des öfteren Musik gemacht und vor sechs Jahren haben Lennart und ich im Rahmen eines Konzertes von ihm zum ersten Mal live vor Publikum einen Song gespielt. Damals hatten wir noch nicht einmal einen „Bandnamen“. Lang ist's her. Christian hat sich mittlerweile auch einen Künstlernamen zugelegt. „Der Tunnel am Ende des Lichts“, oder kurz: Der Tunnel. Bald kommt auch Mischer Marten (nicht zu verwechseln mit Morten), der uns heute den Sound macht.
Bald ist es 20 Uhr und es steht schon eine lange Schlange vor der Tür und wartet auf den Einlass. Gegen 20:20 Uhr sage ich unser Vorprogramm an und stelle mich wartend in den Thekenbereich, denn bisher gab es leider noch nichts zu essen. Schnell muss ich das lecker belegte Fladenbrot herunter schlingen, mache mir danach das erste Bier auf und rauche noch eine im Kickerraum. Das hätte jetzt alles etwas entspannter sein können, aber egal. Ab auf die Bühne, denn der Raum ist voll mit Leuten, die uns hören wollen. Es sind viele bekannte Gesichter dabei, viele auch, die wir wirklich schon lange nicht mehr gesehen haben und mit denen wir gar nicht gerechnet hätten. Das macht mich schon etwas nervös. Dazu kommt die mangelnde Konzertroutine, denn wir haben ja immerhin zwei Wochen lang kein Konzert mehr gegeben. Fakt ist, ich bin aufgeregt und so unsicher wie schon lange nicht mehr, das merke ich und komme auch während der gesamten ersten Hälfte nicht so richtig da raus, bzw. in die Stimmung rein. Es ist seltsam. Da gibt man so viele Konzerte und fühlt sich meistens so sicher bei dem, was man macht und auf einmal fühlt man sich mal wieder wie beim ersten Auftritt des Lebens. Nun ja, vielleicht nicht ganz, aber wahrscheinlich kann es auch nicht schaden, mal wieder Respekt vor der Konzertsituation zu bekommen. Hochmut kommt ja bekanntlich vor dem Fall.
Wie auch immer, die erste Hälfte ist rum und in die zweite komme ich sofort viel besser rein. Das hatte ich auch erwartet und so entwickelt sich der Abend noch so, wie man es sich wünscht: Es wird immer ausgelassener, wir werden zugegebenermaßen etwas betrunken und der Zugabenteil mag gar kein Ende mehr nehmen. Immer wieder kündigen wir an, dass uns Morten bestimmt gleich zum Ende auffordern wird, da ja eigentlich schon der zweite Teil des Abends, eine Party mit DJ, beginnen sollte. Niemand scheint es damit aber so eilig zu haben und wir spielen weiter. Irgendwann erklingt Mortens Stimme über die Hausanlage und spricht: „Morten wünscht sich noch mehr Spieltrieb“. Und weil wir die Stimme nicht zuordnen können fragen wir "Wo kommt die Stimme her? Wer bist du? Wer spricht da?" Die Antwort: "Gott!" Na, wenn es Gottes Wille ist geht es dann noch etwas weiter.
Ein wirklich gelungener Abend mit etwa 100 Zuschauern. Schön, dass das in Oldenburg immer wieder klappt. Danke an alle, die da waren.