11/04/10

Laika | Berlin-Neukölln

Bericht von Philipp

Heute muss ich nur zwei ganze Stationen zum Auftrittsort fahren, also kaufe ich mir ein Second-Hand-Kurzstrecken-Ticket beim Händler meines Vertrauens und fahre in die Hermannstraße. Lennart ist bereits im Laika angekommen und gemeinsam mit den Leuten vom Laika richten wir Raum und Bühne ein. Die Kneipe besteht aus zwei getrennten Räumen und der Konzertraum hat die besondere Wohnzimmeratmosphäre. Überall Sessel, Sofas und Tischchen. Es besteht also der Vorteil, dass die Leute, die das Konzert sehen wollen, hier schön unter sich sein können (Die Tür bleibt nämlich zu) und alle anderen nebenan sich schön bei Musik aus der Konserve unterhalten können.

Leider muss der Laden lautstärketechnisch sehr vorsichtig sein, die Anlage ist daher so eingestellt, dass durch einen sogenannten „Limiter“ eine gewisse Lautstärke nicht überschritten wird. Dieser „Limiter“ befindet sich bei der Theke und ist verplombt, es besteht also gar nicht die Möglichkeit da zu tricksen. Das wollen wir ja auch gar nicht, schließlich soll uns der Laden auch als Auftrittsort erhalten bleiben. Der Soundcheck ist etwas schwierig, da wir auf der Bühne den Eindruck haben, überhaupt nicht verstärkt zu spielen, aber wir bekommen das natürlich irgendwie hin.

Bald kommt auch Freddy samt Bagage und mit Freunden an. Er macht heute unser Vorprogramm und ist mal wieder stolz wie Oskar. Er ist ja auch ein Fan von uns, muss man ja sagen und er erklärt uns, dass er sich schon tierisch auf „Handgepäck“ in voller Länge freut, da er bislang immer nur die Hörprobe von MySpace hören konnte. Wir müssen heute rechtzeitig beginnen, da wir ja wegen der Anwohner nicht viel länger als bis 22 Uhr spielen können, darum ist es gut, dass der Raum gegen 20 Uhr schon mit 30 Piepels gefüllt ist. Darunter sind heute mal wieder ne Menge alter Freunde von mir, die meisten davon aus der Schulzeit. Es ist einfach schön, hier und da in Deutschland Leute zu kennen und sie als tourender Musiker auch hin und wieder zu treffen. Mit vielen hätte ich wahrscheinlich, so wie das Leben halt spielt, nichts zu tun, aber so sieht man sich einfach ganz ungezwungen mal wieder und das ist einfach sehr toll.

Freddy legt los und kann schon mal für den einen oder anderen Lacher sorgen. Immer wieder sympathisch dieser junge Mann und seine Lieder haben auch immer was. Ich denke zwar, dass da noch mehr drin ist, aber man wird sehen, welchen Weg der Freddy gehen wird.

Gegen 20:30 Uhr ist es Zeit für uns anzufangen und es ist irgendwie vom ersten Moment an magisch. Es ist mal wieder einer dieser Auftritte, bei dem von Anfang an alles passt. Das kommt bei 20 Konzerten schätzungsweise nur ein mal vor und heute ist es mal wieder so weit: Jede Pointe kommt an, alle sind total aufmerksam und haben ein Lächeln im Gesicht. Dass die Anlage so leise ist, stört überhaupt nicht, im Gegenteil, dadurch dass alle zuhören, dient die Anlage lediglich dazu, uns etwas im Raum zu verteilen und man hat als Zuschauer noch viel vom natürlichen Gitarren- und Stimmsound. Es ist einfach fabelhaft. Ich habe soeben recherchiert und wir haben in den vergangenen drei Jahren insgesamt 10 Konzerte in Berlin gegeben, jedes davon an einem anderen Ort und heute war es von der Größe des Publikums und von der Stimmung her das beste von allen. Das kann man so sagen. Nicht, dass die anderen alle schlecht gewesen wären, aber heute war es einfach die rundeste Sache. Viel verpeilte Interaktion seitens des Spieltriebs, die natürlich für einen guten Unterhaltungswert sorgt und auch viel Interaktion mit dem Publikum. Damit wir noch bis halb elf spielen dürfen, müssen wir die Leute auffordern, anstelle des gewöhnlichen, lauten Applauses, mit den Händen in der Luft zu wedeln (Gebärdenversion), was besonders was für's Auge ist. Wir werden auf diese stille Weise ordentlich gefeiert. Was für ein Abend. Danke an alle die da waren und mit dazu beigetragen haben, dass es so schön werden konnte.